21.01.2019

Steuerungsgrößen in Unternehmen sind Messgrößen zur Ergebnisbewertung und Investitionslenkung. Im  Rahmen von „One Siemens“ war es Ziel, das durchschnittliche gewichtete Wachstum der Umsatzerlöse unserer wichtigsten Wettbewerber zu übertreffen. Konjunkturdaten wurden dabei insofern berücksichtigt, als dass sie Wettbewerber gleichermaßen treffen und der Maßstab beweglich ist wie eine Boje, die den Wellen folgt.

Im August 2018 hat der Aufsichtsrat einer neuen Steuerungsgröße zugestimmt: „Siemens Financial Framework“ wird sie genannt. Das neue Ziel lautet nun, die Umsatzerlöse jährlich um 4 bis 5 Prozent zu steigern und zwar unabhängig davon, wie die Wettbewerber wachsen. Die Belegschaftsaktionäre kritisieren das neue Siemens Financial Framework, weil es im Vergleich zu One Siemens weder Wachstumsgrenzen noch Konjunkturschwankungen berücksichtigt!

Umsatzerlöse kann man auf zweifache Weise steigern:

  1. Steigerung des Umsatzes, dazu zählen auch Preissteigerungen, die über gestiegene Kosten hinausgehen.
  2. Die Kosten werden reduziert, Produktivitätssteigerung lautet der entsprechende Oberbegriff.

In schrumpfenden Märkten lässt der neue Maßstab einzig die Produktivitätssteigerung als Handlungsoption übrig und auch hierfür ist der Spielraum im Wesentlichen auf Personalabbau beschränkt, weil man natürlich in schrumpfende Märkte nicht im großen Stil investiert. Aber auch für Wachstumsmärkte ist die Vorgabe zweifelhaft, weil die Entwicklung tragender Säulen oft lange ohne Gewinn verläuft, was an eignen Produkten aber auch an weltumspannenden amerikanischen Aktiengesellschaften studiert werden kann.

17.01.2019

Der Verein von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG, e.V., vertritt auch die Aktionäre der Siemens Healthineers auf deren Hauptversammlung am 5. Februar 2019. Näheres siehe unsere FAQ.

15.01.2019

Tagesordnungspunkt 3 „Beschlussfassung über die Entlastung der Mitglieder des Vorstandes“

Der Verein von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG, e.V. stellt folgenden Antrag:
Dem Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser wird die Entlastung verweigert.

Begründung:

30.12.2018

Der Siemensvorstandsvorsitzende Joe Kaeser sagte auf der Analysten-Konferenz zum Geschäftsjahresergebnis für 2018, dass alle ambitionierten Ziele erreicht worden seien: Das operative Ergebnis ist ohne Personalstrukturierungen um 2% gestiegen und die Ergebnismarge des industriellen Geschäfts beträgt 11,3%. Uns Belegschaftsaktionäre erfreut dieses Geschäftsergebnis und ganz besonders das 2-stellige Wachstum in den meisten unserer Geschäftsfelder. Das sind Kennzahlen eines gesunden, florierenden Unternehmens!
Die bittere Pille steckt in den Personalstrukturierungskosten, die mit 500 Millionen das Ergebnis belasten. Wir sind der Meinung, dass es besser wäre, dieses Geld in zukunftsfähige Arbeitsplätze zu investieren als in Personalabbau. Für uns sind die Ziele des Vorstandes nicht ambitioniert genug, denn wir erwarten neben den Gewinnmargen eine stärkere Berücksichtigung der Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Aus der Wirtschaft hören wir seit Jahren ein Klagelied von einem wachstumshemmenden Fachkräftemangel. Die Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, sind gut ausgebildet und erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gleichzeitig nimmt man 500 Millionen Euro in die Hand, um diese Leute los zu werden. Für uns Belegschaftsaktionäre ist das eine Verschwendung von Ressourcen und ein Zeichen von Einfallslosigkeit und Versagen, da die beiden wesentlichen Säulen jeder Geschäftstätigkeit, Kapital und Fachkräfte, nicht zum Aufbau tragfähiger Geschäftsmodelle genutzt werden können. In der Vergangenheit haben Siemens-Führungskräfte unter wesentlich schlechteren Ausgangsbedingungen erfolgreich Geschäftsgebiete aufgebaut!
Ein überzeugendes Beispiel ist der Bereich VDO, der aus Verantwortung für Mitarbeiter praktisch aus der Not heraus geboren wurde und beim Verkauf an Conti über 11 Milliarden Euro Erlös einbrachte.

Alle Geschäftsfelder, die zu dem erfreulichen Geschäftsjahresergebnis beitrugen, haben Durststrecken durchschritten und mussten in der Vergangenheit quersubventioniert werden! Damals hat man sich mit bescheideneren Ergebnismargen zufrieden gegeben. Das führte dazu, dass die Arbeitsplätze vergleichsweise sicher waren und die Geborgenheit einer Familie auch zur anerkannten Metapher unter den Beschäftigten wurde. Gleichzeitig war dies der Boden für innovative Entwicklungen: 1958 wurde beispielsweise die Simatic als Warenzeichen eingetragen, erst 20 Jahre später, nämlich 1978 auf der Hannover Messe, gelang ihr der Durchbruch. Heute ist sie ein wesentlicher Baustein der Digital Industrie. Dieses Beispiel zeigt, warum die Belegschaftsaktionäre im überzogenen Margendruck eine Gefahr für die langfristige Entwicklung des Unternehmens sehen.

Der Vorstand des Vereins von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG, e.V. wünscht Ihnen allen ein geruhsames Fest, schöne Feiertage, ein bisschen Ruhe vom Alltag und einen Guten Start in das neue Jahr 2019! 

   
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