15.06.2020

Antrag zu Tagesordnungspunkt 1 „Beschlussfassung über die Zustimmung zum Abspaltungs- und Übernahmevertrag zwischen der Siemens Aktiengesellschaft und der Siemens Energy AG, München, vom 22. Mai 2020“

Der Verein von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG, e.V., der sich für Nachhaltigkeit und langfristige Belange der Mitarbeiter engagiert, stellt folgenden Antrag:
Dem Abspaltungs- und Übernahmevertrag zwischen der Siemens Aktiengesellschaft und der Siemens Energy AG, München vom 22. Mai 2020 wird nicht zugestimmt.

Begründung:

Ein gutes Drittel des Konzernumsatzes wird über Verteilernetze, Gas- und Dampfturbinen und erneuerbaren Energieträgern wie Wind und Solar erwirtschaftet. Dieses traditionelle Siemens-Betätigungsfeld wird über einen sogenannten Spin-off am 25.9.2020 abgetrennt. Jeder Siemensaktionär bekommt dabei für zwei Siemensaktien eine Aktie der neuen Aktiengesellschaft „Siemens Energy“. Siemens wird an der neuen Gesellschaft nur noch eine Minderheitsbeteiligung halten, Vorstandsvorsitzender wird der ehemalige Lindemanager Christian Bruch, Aufsichtsratsvorsitzender Joe Kaeser.

Als Grund für die Abspaltung wird angegeben, dass kleine, spezialisierte Bereiche bessere Chancen hätten, sich am Markt zu behaupten. Tatsächlich ist es so, dass die Renditen im Energiebereich deutlich geringer sind als in anderen Bereichen des Siemenskonzerns. Das führt dazu, dass Investitionen tendenziell stärker in jene Bereiche gelenkt werden, in denen höhere Renditen erwirtschaftet werden. So gesehen ist das Narrativ des Managements richtig. Falsch ist der Umstand, dass Steuerungsmechanismen wie das Siemens Financial Framework (SFF) überhaupt eingeführt wurden. Wir Belegschaftsaktionäre haben mehrfach auf die Nebenwirkungen dieser Steuerungsmethoden hingewiesen (siehe u.a. Link).

Aus Sicht des Vereins von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG wäre es sinnvoller, die Managementvorgaben zu ändern und die Kosten für die Trennung in F&E des Energiebereiches zu investieren, um die vorangegangene Zurückhaltung auszugleichen.

Ferner kritisieren die Belegschaftsaktionäre, dass neben den reinen Kosten für die Abspaltung Siemens für 1,1 Milliarden Euro den Anteil an Gamesa von 59 auf 67 Prozent erhöhte, mutmaßlich um eine Klage der Spanier zu erledigen, die gegen die Abspaltung gerichtet war. Wenn man bedenkt, dass das Ziel der Abspaltung ist, neue Investoren für Siemens Energy zu gewinnen, muss der wirtschaftliche Nutzen dieses überteuerten Zukaufs hinterfragt werden.

Neben diesen wirtschaftlichen Betrachtungen kritisiert der Verein von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG die Personalentscheidung, Joe Kaeser den Posten des Aufsichtsratschefs von Siemens zu übertragen, da hier Interessenskonflikte entstehen können.

Der Verein von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG wird die auf der außerordentlichen Hauptversammlung geplante Zustimmung zur Abspaltung der Energiesparte nicht verhindern können, aber er fühlt sich verantwortlich zu begründen, weshalb er diese Abspaltung ablehnt.

München, den 15.6.2020

Verein von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG, e.V.

Signatur Vorstand

   
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