21.01.2020

Tagesordnungspunkt 3 „Beschlussfassung über die Entlastung der Mitglieder des Vorstandes“

Der Verein von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG, e.V. stellt folgenden Antrag:
Dem Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser wird die Entlastung verweigert.

Begründung:

Der Verein von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG, der sich für Nachhaltigkeit und langfristige Belange der Mitarbeiter engagiert, sieht durch die Vorgabe von Rendite-Erwartungen, die als primäres Steuerungsziel Investitionen lenken, den langfristigen Geschäftserfolg gefährdet. Das Siemens Financial Framework (SFF) ist der Höhepunkt einer schon länger beobachteten Entwicklung, die Ursache und Wirkung vertauscht: Renditen sind das Ergebnis einer guten Geschäftstätigkeit. Gute primäre Steuerungsgrößen steigern die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Sie verbessern beispielsweise die Innovationskraft oder die Beschäftigungsbedingungen, denn Kreativität setzt zufriedene Mitarbeiter voraus, die keine Angst um ihre Zukunft haben.

Die Absurdität des Spin Off von Gas and Power wird damit begründet, dass in diesen Bereich innerhalb der Siemens AG wegen der geringen Renditen zu wenig Investitionen fließen würden. Dabei ist Gas and Power nicht nur ein Zukunftsmarkt, sondern ein natürlicher Bestandteil einer Smart Infrastructure. Ein weiterer Aspekt der radikalen Optimierung des Shareholder Value ist, dass die Abhängigkeit von Konjunkturzyklen erhöht wird und die Innovationskraft tendenziell abnimmt, sie ist deshalb nicht nachhaltig.

Das Bild von Siemens in der Öffentlichkeit wurde vom Vorstandsvorsitzenden durch überflüssige Tweets und zögerliche Entscheidungen beschädigt: Es sollte keiner Erwähnung bedürfen, dass ein CEO Sachverhalte genau ansieht, und die Erkenntnis einer gebotenen Vertragstreue sollte ebenfalls nicht wie eine schwere Geburt erscheinen. Der durch Tweets vermittelte Eindruck, dass Herr Kaeser mit der Lieferung einer Signaltechnik für eine Bahnstrecke, die zum Kohleabbau gebaut wird, ein ernstes Problem hat, ist widersprüchlich: Man wird sich erinnern, dass der CEO sein persönliches Verhandlungsgeschick einbrachte, um den Milliardendeal von Dresser Rand einzutüten. Dresser Rand macht einen Großteil seines Umsatzes mit der Fracking-/Öl-Industrie. Man stelle sich vor, die Klimaaktivistin hätte das zweifelhafte Angebot für einen Aufsichtsratssitz angenommen. Hätte Siemens dann tatsächlich auf die Belieferung der Fracking-/Öl-Industrie verzichtet?

 

München, den 20.1.2020


Verein von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG, e.V.

Signatur Vorstand

   
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